Grundversorgung für Asylwerber

1. Warum gibt es die Grundversorgung?

Um insbesondere hilfsbedürftigen Asylwerbern in Österreich ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Die Grundversorgung ist im NÖ Grundversorgungsgesetz geregelt. Das NÖ Grundversorgungsgesetz wurde im LGBl. 9240 verlautbart. Im Internet finden Sie dieses Gesetz unter http://www.ris.bka.gv.at in der Rubrik Landesrecht – geltende Fassung Niederösterreich – mit dem Suchwort „NÖ Grundversorgungsgesetz“.

2. Wer übernimmt für meine Grundversorgung die Kosten?

Ihre Versorgung wird vom Land Niederösterreich und dem Bundesministerium für Inneres aus Steuermitteln der österreichischen Bevölkerung finanziert.

3. Wer entscheidet in NÖ über meine Grundversorgung?

Über die Gewährung der Grundversorgung entscheidet im Namen der NÖ Landesregierung die Koordinationsstelle für Ausländerfragen.

4. Wie finde ich die Koordinationsstelle?

Koordinationsstelle für Ausländerfragen beim Amt der NÖ Landesregierung: 3109 St. Pölten, Landhausplatz 1, Haus 7a, Tel.Nr.: 02742/9005/12994, Fax: 02742/9005/15640, E-Mail: post.ivw2fluechtlingshilfe@noel.gv.at. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.noe.gv.at/service/ivw/ivw2/fluechtlingshilfe.htm. Bezüglich der Parteienverkehrszeiten wenden Sie sich an Caritas und Diakonie.

5. Von wem werde ich betreut? – Hilfe bei Fragen!

Wenn Sie in den blau gekennzeichneten Bezirken wohnen, ist die Caritas für Sie zuständig, in den rot gekennzeichneten ist es die Diakonie. Diese Betreuungsorganisationen besuchen Sie auch regelmäßig in den organisierten Quartieren (Pensionen). Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich an die zuständigen Betreuer.

6. Wo sind die Diakonie und Caritas erreichbar?

Caritas Wr. Neustadt: Wiener Straße 56, 2700 Wr. Neustadt, Tel.Nr.: 02622/83020, Fax: DW 66, E-Mail: post-mfb-noe@caritas-wien.at. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.caritas-wien.at/mobilebetreuung.htm.

Caritas Korneuburg: Hauptplatz 6, 2100 Korneuburg, Tel.Nr.: 02262/62355, Fax: DW 50), E-Mail: post-mfb-noe@caritas-wien.at.

Diakonie St. Pölten: Domgasse 4/6, 3100 St. Pölten, Tel.Nr.: 02742/21438, Fax: DW 5, E-Mail: noewe.evdoe@diakonie.at. Weitere Informationen finden Sie unter http://fluechtlingsdienst.diakonie.at/goto/de/was/Beratung/mobile-
betreuungsstelle-niederoesterreich-west/besondere-aktivitaeten.

7. Wer kann Grundversorgung bekommen?

Hilfsbedürftige Asylwerber und bestimmte andere nicht abschiebbare hilfsbedürftige Fremde. Hilfsbedürftig ist, wer nicht selbst für seinen Lebensunterhalt (Wohnung, Essen, Bekleidung) sorgen kann. Genauere Information erhalten Sie bei der Caritas oder Diakonie.

8. Welche Grundversorgungsleistungen kann ich bekommen?

Die wichtigsten Leistungen sind:

  • Unterbringung
  • Verpflegung
  • Krankenversorgung
  • Bekleidungshilfe (max. € 150,- pro Jahr)
  • Schulbedarfshilfe für schulpflichtige Schulkinder (max. € 200,- pro Jahr und
  • Kind)
  • Taschengeld (max. € 40,- pro Person und Monat)

Bitte beachten Sie, dass die Leistungen je nach Unterbringungsform (organisiert oder privat) verschieden sein können. Bezüglich sonstiger möglicher Leistungen oder anderer Fragen setzen Sie sich mit Ihrer Betreuungsorganisation (Caritas oder Diakonie) in Verbindung.

9. Bekomme ich Taschengeld?

Grundsätzlich können Sie € 40,- pro Person und Monat bekommen, wenn Sie in einer organisierten Unterkunft (Gasthaus, Pension, Heim) untergebracht sind und dort kein Verpflegungsgeld ausbezahlt wird.

10. Kann ich aus der Grundversorgung entlassen werden?

Ja! Insbesondere

  • Drohungen, Gewalttätigkeiten, unzumutbares Verhalten inQuartieren
  • ausreichendes eigenes Einkommen
  • Vermögen (z.B. Besitz eines Autos)
  • rechtskräftig abgeschlossene Asylverfahren (sowohl positive als auch negative Entscheidungen)
  • nicht genehmigter Wechsel des Quartiers

können zur Entlassung aus der Grundversorgung führen.

12. Welche Unterbringungsarten gibt es?

  • Unterbringung in organisierten Unterkünften (Unterbringung in einem Gasthaus, Pension, Heim)
  • Unterbringung in privaten Unterkünften (Mietzuschuss für eine Wohnung)

13. Habe ich Anspruch auf eine bestimmte Unterkunft oder Unterbringungsart?

Nein! Angebotene organisierte Unterkünfte (Pension) müssen Sie annehmen. Ablehnung kann zum Verlust der gesamten Grundversorgung führen. Jeder gewünschte Wechsel in eine andere Unterkunft muss vorher von der Koordinationsstelle genehmigt werden.

14. Kann ich jederzeit die Unterkunft wechseln?

Nein!  Jeder Wechsel ist von der Koordinationsstelle für Ausländerfragen vorher zu genehmigen. Auch privater Wohnungswechsel muss gemeldet und genehmigt werden. Setzen Sie sich diesbezüglich im Vorhinein mit Ihrer Betreuungsorganisation in Verbindung.

15. Kann ich mir ein beliebiges Bundesland aussuchen?

Nein! Mit dem Transfer aus der Erstaufnahmestelle (EAST Traiskirchen, Thalham) werden Sie einem Bundesland zugewiesen. Dieses Bundesland ist grundsätzlich für Sie zuständig. Ein Wechsel im Rahmen der Grundversorgung ist nur nach Genehmigung beider betroffenen Bundesländer möglich. Wechseln Sie ohne Genehmigung das Bundesland, können Sie Ihren Anspruch auf Grundversorgung verlieren. Informationen dazu können Sie von Ihrer Betreuungsorganisation erhalten.

16. Was muss ich bei Privatunterkünften berücksichtigen?

Wichtig! Sie haben keinen Anspruch auf Geld für eine Privatunterkunft und brauchen daher vorher eine Genehmigung. Nicht genehmigte Privatunterkünfte müssen Sie vollständig selbst finanzieren. Anträge und Beratung bekommen Sie bei der Caritas und Diakonie.

17. Wie viel Geld bekomme ich für genehmigte Privatunterkünfte?

Als Einzelperson bekommen Sie pro Monat maximal € 110,- Mietzuschuss und € 180,- Verpflegungsgeld. Als Familie bekommen Sie pro Monat maximal € 220,- Mietzuschuss, € 180,- Verpflegungsgeld für jeden Erwachsenen und € 80,- Verpflegungsgeld für jeden Minderjährigen (bis 18 Jahre). Bitte beachten Sie, dass Sie mit dieser Unterstützung Ihre gesamten Lebenskosten bestreiten müssen (Strom, Heizung, Lebensmittel, Fahrkarten, Möbel und ähnliches kosten viel Geld)!

18. Gelten für mich Hausordnungen?

Ja! Für organisierte Unterkünfte gibt es eine Hausordnung der Koordinationsstelle für Ausländerfragen. Die Nichtbeachtung dieser Hausordnung kann zur Entlassung aus der Grundversorgung führen. Bei Ihrem Einzug in eine Grundversorgungsunterkunft sollten Sie die Hausordnung in einer Ihnen verständlichen Sprache erhalten und diese auch unterschreiben. In Ihrem Interesse sollten Sie Ihre Pflichten aus der Hausordnung kennen und beachten.

19. Wie lange darf ich von einer organisierten Unterkunft abwesend sein?

Sie haben Ihren Quartiergeber über Abwesenheiten grundsätzlich zu informieren. Bei mehrmaliger Abwesenheit wird von der Koordinationsstelle für Ausländerfragen Ihre Hilfsbedürftigkeit in Frage gestellt. Bei längerer Abwesenheit als 3 Tage erfolgt automatisch die Abmeldung von der Grundversorgung (außer bei gemeldetem Aufenthalt im Krankenhaus).

20. Was wird mir bei behördlichen Ladungen empfohlen?

Ladungen sollten in Ihrem Interesse unbedingt befolgt werden!!!! Ansonsten kann es zu Nachteilen im Asylverfahren oder zur Einstellung der Grundversorgung führen. Werden Sie von Asylbehörden geladen, werden Ihnen die Fahrtkosten ersetzt. Setzen Sie sich bei Ladungen dringend mit der für Sie zuständigen Betreuungsorganisation in Verbindung.

21. Darf ich in Österreich arbeiten?

Auch als Asylwerber unterliegen Sie dem Ausländerbeschäftigungsgesetz und brauchen eine Beschäftigungsbewilligung. Eigenes Einkommen kann Auswirkungen auf die Höhe Ihrer Grundversorgung haben. Wenn Sie arbeiten und selbst Geld verdienen, müssen Sie dies aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung sofort der Koordinationsstelle für Ausländerfragen melden. Kommen Sie dieser Verpflichtung nicht nach, kann dies Auswirkungen auf die Art Ihrer Unterbringung haben und ist eine Strafe möglich.

22. Wo gibt es für mich einen Rechtsbeistand?

Es gibt mehrere Stellen und Vereine, die Sie im Asylverfahren begleiten. Die diesbezüglichen Kontaktadressen erhalten Sie über Ihre Betreuungsorganisationen.

23. Was soll ich der Koordinationsstelle unverzüglich melden?

Wichtig! Insbesondere Beschäftigung, Vermögen (z.B. Auto), Einkommen und Wohnungswechsel müssen gemeldet werden. Wenn Sie das nicht tun, ist das strafbar und kann außerdem Auswirkungen auf die Grundversorgung haben (z.B. die teilweise oder gesamte Einstellung der Geldleistungen durch die Koordinationsstelle für Ausländerfragen).

24. Bekomme ich medizinische Versorgung?

Sie werden grundsätzlich bei der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse krankenversichert.Die unbedingt notwendige Behandlung von Krankheiten oder Notfällen sollte jedenfalls gewährleistet sein.

25. Was ist wichtig, wenn ich ein Kind bekomme?

Erkundigen Sie sich beim Arzt über den kostenlosen Mutter-Kind-Pass. Halten Sie im eigenen Interesse die darin vorgegebenen Untersuchungen im angegebenen Zeitraum genau ein, um die Gesundheit Ihres Kindes sicherzustellen. Die Geburt Ihres Kindes sollten Sie sofort dem Quartiergeber oder Ihrer Betreuungsperson melden, damit die Aufnahme Ihres Kindes in die Grundversorgung geprüft werden kann.

26. Sind Krankentransporte kostenlos?

Ein Transport ins nächstliegende Krankenhaus erfolgt nur dann kostenlos, wenn aus medizinischer Sicht ein liegender Transport (Tragsessel) erforderlich war. Dies muss ärztlich verordnet sein. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie möglicherweise die Kosten selbst zahlen.

27. Darf ich ein Auto besitzen?

Der Besitz eines Autos kann wegen des dafür erforderlichen finanziellen Aufwandes Auswirkungen auf die Hilfsbedürftigkeit und damit auf die Höhe der Grundversorgung haben und ist meldepflichtig!

28. Können meine Kinder in die Schule gehen?

Kinder zwischen 6 und 15 Jahre müssen in Österreich eine Schule besuchen. Erkundigen Sie sich bei der für Sie zuständigen Betreuungsorganisation über einen möglichen Schulbedarfszuschuss.

29. Darf ich öffentliche Verkehrsmittel kostenlos benutzen?

Nein! Benützen Sie ein Verkehrsmittel ohne Fahrschein, ist dies strafbar. Die Geldstrafen dafür sind in Österreich sehr hoch. Für die meisten Verkehrsmittel müssen Sie vor Fahrtantritt einen Fahrschein kaufen!

30. Kann ich mich zur freiwilligen Rückkehr entscheiden?

Sollten Sie sich für eine freiwillige Rückkehr in Ihr Heimatland entscheiden, setzen Sie sich bitte mit der Koordinationsstelle für Ausländerfragen in Verbindung. Sie wird die notwendigen Schritte und eine entsprechende finanzielle Unterstützung einleiten.

 

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