Wutbürger / Angstbürger

Pegida Supporters March In DresdenWeihnachten ist, so sagt man, die Zeit der Nächstenliebe und Harmonie. Wie dies von manchen Mitbürgern in Deutschland interpretiert wird kann man dieser Tage erleben. Die Demonstranten nennen sich selbst pathetisch „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida). Was von den inhaltlichen Aussagen der Pegida Bewegung zu halten ist kann in diesem Spiegel Artikel sehr gut nachvollzogen werden, nämlich gar nichts. Die Anhänger von Pegida schreien „Wir sind das Volk“. Sie kapern damit die Losung, die im Herbst 1989, kurz vor dem Fall der Berliner Mauer, Hunderttausende Menschen in der DDR gegen den kommunistischen SED-Unrechtsstaat riefen. Die Anti-Islam-Bewegung versucht, damit an die damalige Montagsdemonstrationsbewegung anzuknüpfen. Doch Pegida macht Stimmung gegen Flüchtlinge in Deutschland – das hat mit Menschenwürde, Freiheit und Demokratie, den Werten der friedlichen Revolution von einst, nichts zu tun. Mann könnte noch viele logische Argumente gegen diese Art der Wutbürger (oder sind es eher Angstbürger?) vorbringen, für logische Argumente sind diese Menschen leider kaum zugängig. Der deutscher Werbetexter, Politikberater und Autor Frank Strauss bringt es in einem Blogposting auf den Punkt was von Pegida zu halten ist und wie man nicht auf diese „Bürgerbewegung“ reagieren sollte:

Ich muss nicht Verständnis aufbringen für die Sorgen und Ängste von Menschen, die offenbar zu kalt und gefühlsverarmt sind, um zu erkennen, welche Ängste ihre instinktlosen Demonstrationen bei Flüchtlingen und Einwanderern auslösen.

Ich muss nicht verstehen, warum 25 Jahre nach dem Mauerfall – in nahezu ausländerfreien Zonen – Menschen gegen Ausländer auf die Straße gehen, nur weil sie nach über zwei Jahrzehnten nicht kapiert haben, womit Deutschland sein Geld und seinen Wohlstand verdient: mit Internationalität.

Ich muss nicht ertragen, dass eine Demonstrantin in Dresden in die Kamera spricht: “Wir sind nicht ’89 auf die Straße gegangen, damit die jetzt alle kommen” während sie so aussah, als sei sie ’89 nur auf die Straße gegangen, um bei ihrem Führungsoffizier die zu verpfeifen, die wirklich gingen. Diese Demonstrationen “Montagsdemonstrationen” zu nennen, ist eine weitere Instinktlosigkeit gegenüber denjenigen, die ’89 für Freiheit und offene Grenzen auf die Straße gingen.

Ich muss nicht akzeptieren, dass Menschen, die seit Jahrzehnten direkt und indirekt Transferleistungen in bisher ungekannten Höhen entgegengenommen haben, nun nicht einmal Flüchtlingskindern ein Dach über dem Kopf gönnen.

Ich muss nicht wie CSU und manche in der CDU die Fehler vor allem dieser beiden Parteien aus den 60er bis 90er Jahren wiederholen und diesen eiskalten Demonstranten auch noch verbale Zückerchen zuwerfen – von AfD und der anderen braunen Brut ganz zu schweigen.

Ich muss nicht christlich sein zu Menschen, die angeblich die christliche Tradition verteidigen, um dann ausgerechnet zur Weihnachtszeit Hass und Ausgrenzung zu predigen.

Ich muss nicht nach Ursachen suchen, um den niedersten Instinkt, zu dem die menschliche Rasse fähig ist, zu erkennen: Das Treten nach unten und das Abwälzen persönlicher Probleme und Unfähigkeiten auf willkürlich ausgewählte Sündenböcke.

Ich muss nicht ertragen, dass Menschen, die seit Jahren den Hintern nicht bewegt bekommen, ausgerechnet dann aktiv werden, wenn es gegen Minderheiten geht.

Ich muss nicht daran erinnern, dass die deutschen sozialen Sicherungssysteme im Jahr 2012 über 22 Milliarden EUR netto durch Einwanderer und deren Nachfahren eingenommen haben – und dass diese Gelder am Ende dem Pöbel von Dresden auch noch die Rente zahlen werden.

Ich muss nicht diplomatisch sein, sondern so, wie noch viel mehr Menschen in Deutschland sein sollten, offensiv:

Braune Brut von Dresden: Ihr seid die Schande Deutschlands.
Unbarmherzig, hasserfüllt, menschenfeindlich und aus ganzem Herzen verachtenswert.

Warum wir hier darüber schreiben? Weil das dumpfe Schüren von Angstgefühlen leider auch in Österreich zum Tagesgeschäft mancher politischer Darsteller gehört, weil damit auch bei uns in Österreich Stimmung gemacht wird gegen die Schwächsten unserer Gesellschaft. Weil Solidaridät dort beginnt wo es um den menschlichen Umgang miteinander und Empathie füreinander geht und mit Rassismus und Fremdenhass noch nie ein Konflikt gelöst wurde. Und weil einem dies gerade in der der Adventzeit besonders zu denken geben sollte.

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