Buchtipp: Was Linke denken

UnbenanntRobert Misik hat ein neues Buch vorgelegt: „Was Linke denken“ heißt es und es spannt den Bogen von Karl Marx, über Gramsci, Adorno, Habermas bis hin zu den Poststrukturalisten, wie etwa Michel Foucault. 150 Seiten ist das Büchlein nur lang – und doch ist dieses Büchlein vollgepackt mit aufregenden Ideen, mit Anekdoten und erhellenden, lustigen, manchmal sogar fiesen Zitaten, etwa wenn Misik gleich am Anfang des Buches George Orwell zu Wort kommen lässt, der einmal schieb:

Manchmal bekommt man den Eindruck, dass die bloßen Worte »Sozialismus« und »Kommunismus« mit magnetischer Kraft jeden Fruchtsaftapostel, Nudisten, Sandalenträger, Sexverrückten, Quäker, »Naturheil«-Pfuscher wie magisch anziehen. Wie bei den Christen sind beim Sozialismus seine Anhänger die schlechteste Reklame.

Misiks Buch wiederum ist die beste Reklame für linkes Denken. Denn es zeigt, wie sehr uns dieses Denken heute beeinflusst und wie es unsere Gesellschaft verändert hat. Wenn heute am Stammtisch darüber gesprochen wird, dass Menschen nur mehr Kostenfaktoren auf zwei Beinen sind, so hat dieses Denken seinen Ursprung in der kritischen Theorie der Frankfurter Schule. Die Konsumkritik wiederum hat Wurzeln im Existenzialismus vom Sartre oder Camus. Und wer heute darauf hinweist, dass die eigenen Haltungen, Meinungen und Lebensziele auch von den eigenen Lebensverhältnissen abhängen, der greift unbewusst einen Gedanken von Karl Marx auf. Doch Misik scheut nicht sich auch Missverständnisse, Fehlinterpretationen und schlichten Unsinn anzuprangern, der aus mancher linker Theorie erwachsen ist. Zum Beispiel allzu einfache Welterklärungsmuster. Zitat:

Etwa die Vorstellung, die Herrschenden könnten sich die dominierende Meinung einfach »kaufen«, indem sie sich willfährige Medien halten, die sogenannte »Lügenpresse«, die nur schreibe, was ihre finanzkräftigen Auftraggeber von ihr verlangen. Wenn sich jemand für Freiheit in Nahost einsetzt? Na, dem geht es in Wirklichkeit wahrscheinlich nur um Öl und der wird bestimmt von der Erdölwirtschaft finanziert. Bei Krieg oder Revolutionen seien Ideologien oder Slogans wie Freiheit, Nation oder Rasse nur vorgeschoben, »in Wirklichkeit« gehe es immer nur um ökonomische Interessen. Dieser Marxismus des dummen Kerls hat eine regelrechte Hermeneutik des Verdachts etabliert.

„Fragend schreiten wir voran“, so lautet eine Parole der mexikanischen Zapatisten. Und für das Fragen, das Zweifeln, für Offenheit im Denken plädiert auch Robert Misik. Denn das linke Denken von heute, das ist vor allem ein Produkt von alledem, über das Linke gestern nachgedacht – und auch gestritten haben.

Quelle

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s