Einige Gedanken zur Wehrpflicht-Debatte


Verteidigungsminister Norbert Darabos verspricht, dass sein Modell günstiger sein wird. Die ÖVP behauptet, dass ihr Modell mit Wehrpflicht günstiger sein wird. Bei einem großen Teil der derzeit geführten Diskussion um die Frage Wehrpflicht oder Berufsheer werden Kostengründe als Argumente verwendet. Besser und effizienter zu sein beanspruchen sowohl SPÖ als auch ÖVP. Doch diese Reduktion der Diskussion auf rein finanzielle Aspekte offenbart eine Eigenheit der österreichischen Politik: Wenn etwas billiger ist, kann es ja nur gut sein. Doch gerade bei den Themen Landesverteidigung und Katastrophenschutz sind nicht alle Fragen finanziell zu beantworten. Nur weil man sich mit einer politischen Entscheidung Geld erspart, muss das noch nicht die richtige Entscheidung sein. Sonst könnte man auch in Schulen Lehrer, an Universitäten Lehrstühle, oder auf Bahnhöfen Lifte einsparen. Außerdem wird sowohl seitens der SPÖ aber auch seitens der ÖVP mit Zahlen jongliert, die für niemanden nachvollziehbar sind.

Was ein Berufsheer oder ein Wehrpflichtmodell schlussendlich kostet, hängt vielmehr davon ab, welches Sicherheitskonzept Österreich will. Am 20. Jänner, dem Tag der Volksbefragung, sollte es ausschließlich um die inhaltliche Entscheidung zwischen Wehrpflicht (dem Status Quo) oder Berufsheer (so wie in fast allen anderen europäischen Staaten) gehen. Viele inhaltliche Aspekte sind in der Debatte bislang ausgespart: Was für eine Sicherheitspolitik es eigentlich geben soll, wird leider nicht diskutiert. Soll Österreich zur Nato? Oder eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik forcieren oder die Neutralität beibehalten?

Aber es geht vor allem auch um eine Entscheidung über die Frage, ob wir es als Gesellschaft für gerecht und gerechtfertigt halten, dass 18-jährige Burschen ein halbes Jahr oder neun Monate Heer- oder Zivildienst verpflichtend absolvieren?

Veröffentlicht von michaelmrak

Learn from the past, dream of the future and live in the present.

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