Gentechnik – ergänzende Informationen zum Thema

Unser Blogeintrag vom 9. Juni hat ja für einige Aufregung bei den Bürgern unserer Gemeinde und auch bei einigen politischen Mandataren gesorgt. Die ganze Materie ist leider sehr kompliziert und wir wollen an dieser Stelle gerne noch genauer erörtern worum es uns konkret geht. Das wichtigste vorweg: Die Bemühungen und das Engagement unserer Biobauern sind nicht hoch genug einzuschätzen. Vielfach ist ihre visionäre Weitsichtigkeit und ihr Einsatz für eine transparente und gentechnikfreie Landwirtschaft zu Unrecht belächelt worden, auch weil sie sich in den meisten Fällen nicht von den etablierten politischen Parteien in Beschlag nehmen haben lassen.

Schlagzeilen wie „Gentechnik killt Kühe“oder „Gentechnik treibt Bauern in den Selbstmord“ machen die Runde. Der Streit um die Grüne Gentechnik hat sich zum Glaubenskrieg entwickelt. In den 20 Jahren seit den Anfängen dieses Konflikts haben sich viele Argumente verändert. Anfangs wurden Gentechnik-Pflanzen als Gefahr für die Gesundheit des Menschen dargestellt, später mögliche ökologische Folgen in den Mittelpunkt gerückt. Zum Beispiel das Risiko, dass sich diese Kulturpflanzen unkontrolliert in der Natur ausbreiten. Da die befürchteten Schäden für Mensch und Umwelt ausblieben, stehen inzwischen Eigentumsfragen im Vordergrund, die Gegner warnen zu Recht davor, dass Landwirte und ganze Länder von multinationalen Konzernen abhängig werden. Ein Artikel der renommierten Zeitschrift Welt beschreibt die derzeitige Situation und geht auf viele Argumente ein, eine Zusammenfassung davon finden sich in den nachfolgenden Absätzen. Die nachfolgenden Informationen sind keineswegs als Argument für Gentechnik in der Landwirtschaft zu verstehen. Aber rein wissenschaftlich sieht es eben so aus:

1. Unsere heutigen Lebensmittel sind natürlich
Eine natürliche Kartoffel oder einen wilden Apfel kann man nicht essen! Viele der Ahnen unserer Kulturpflanzen enthalten sogar lebensgefährliche Gifte. Um sie essbar zu machen begannen die Menschen vor cirka 10 000 Jahren durch Zucht ihr Erbgut zu verändern. Durch den Einfluss der Züchtung sind viele Nutzpflanzen in der Natur von alleine nicht mehr lebensfähig. Im Laufe des 20. Jahrhunderts beschleunigte man die Züchtung, indem man durch Chemikalien oder radioaktive Bestrahlung das Erbgut veränderte. So entstanden viele Tausend Mutationen, aus denen man die wenigen nützlichen heraussuchte und für die weitere Züchtung verwendete. Ganz ohne Gentechnik.

2. Nur Gentechnik überwindet die Artgrenzen
Auch bei der Züchtung wurden bereits Artgrenzen überwunden. So ist die besonders im Biolandbau beliebte Triticale ein Mischwesen aus Weizen und Roggen. Immer mehr Wissenschaftler sind der Ansicht, dass es in der Natur keine starren Artgrenzen gibt, sondern fließende Übergänge zwischen den Organismen bestehen. Richtig ist, dass bei gentechnischen Verfahren die Gene verwandtschaftlich weit voneinander entfernter Lebewesen übertragen werden können und etwaige negative Folgewirkungen nicht ausgeschlossen werden können.

4. Der Fall des Landwirts Glöckner beweist die Gefahren
Als der hessische Milchbauer Glöckner zwischen 1997 und 2002 seine Kühe mit einem Mais der Firma Syngenta fütterte, starben ihm zwölf Tiere. Er hatte den Mais in Verdacht und wurde so zum Kronzeugen der Anti-Gentechnik-Aktivisten. Wissenschaftler vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) untersuchten die Vorwürfe und kamen zu dem Schluss, dass unzureichende Qualität von Grassilage, die Glöckner zusätzlich verfütterte, die Ursache war. In einigen der Tiere konnten Botulismus-Bakterien nachgewiesen werden. Nun ist es natürlich das gute Recht jedes Bürgers zu bezweifeln, ob eine staatliche Kontrollstelle sorgfältig und ehrlich gearbeitet hat, aber einen wissenschaftlichen Gegenbeweis von Landwirt Glöckner gibt es eben auch nicht.

5. Unliebsame Forschungsergebnisse werden unterdrückt
Beispiel 1: Árpád Pusztai ist ein britischer Wissenschaftler, der mögliche Wirkungen einer gentechnisch veränderten Kartoffelsorte (die nie in den Handel kam) auf die Gesundheit von Ratten untersuchte. Er stellte dabei Wachstumsverzögerungen und eine verringerte Immunantwort fest und verkündete dies sogleich im Fernsehen. Eine Überprüfung der Royal Society, sowie die von The Lancet zugewiesenen Prüfer betonen dagegen, dass Pusztais Studie methodologisch unbrauchbar sei und keinen solchen Schluss zulasse. Aus seiner Sicht entließ man Pusztai, um die Ergebnisse zu unterdrücken. Aus Sicht des Instituts, weil er das Fernsehen vor der wissenschaftlichen Veröffentlichung informiert hatte. Pusztais Ergebnisse sind bis heute umstritten. Die Studie selbst ist öffentlich im Internet zu lesen, wird also keineswegs unterdrückt.

Beispiel 2: Studie an Mäusen der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Man fütterte sie mit einer bestimmten Sorte Gentechnik-Mais, worauf ihre Nachkommen weniger Junge bekamen. Die Studie wurde ebenfalls schon vor der Fachveröffentlichung von Aktivisten sehr lautstark als Argument gegen Gentechnik eingesetzt. Die Wissenschaftler selbst distanzierten sich allerdings davon. Nichts desto trotz stellt diese Studien viele Fragen auf und gilt. Die umfangreichen und komplexen Ergebnisse sind allerdings öffentlich im Internet zu lesen.

6. Der Monsanto-Konzern greift nach der Weltherrschaft
Richtig ist, dass Monsanto mit großem Abstand über die meisten gentechnischen Patente im Agrarbereich verfügt. Der allergrößte Teil der heute angebauten Gentechnik-Pflanzen stammt von der Firma aus St. Louis, Missouri. Es gibt jedoch noch weitere multinationale Firmen, die mit Monsanto konkurrieren: Syngenta, BASF, Bayer, Dow und Dupont-Pioneer. Richtig ist auch, dass es einem Konzern vor allem um Profit geht. Denselben Vorwurf kann man jedoch jeder anderen Firma machen.

Bei der ganzen Gentechnik Debatte fällt auf, dass im Prinzip die immer gleichen Behauptungen seit Jahren kursieren. Diese Behauptungen können so leicht verbreitet werden, weil weniger als zwei Prozent der Bevölkerung noch in der Landwirtschaft arbeiten. Grundlegende Prinzipien der Landwirtschaft sind einer Mehrheit (auch dem Autor dieses Artikels) nicht mehr geläufig. So haben viele unwissende Menschen kein Verständnis dafür, dass schädliche Insekten, Wildkräuter oder Pilze überhaupt bekämpft werden. Dass die Ernährung der Bevölkerung nur gelingen kann, wenn man diese Schädlinge in Schach hält, gehört nicht zum Alltagswissen. Dieser Mangel an Wissen macht es den unseriösen Anti-Gentechnik-Aktivisten leicht Halbwahrheiten und Falschbehauptungen zu verbreiten. Und genau dagegen hat sich unser ursprünglicher Blogeintrag gerichtet, keineswegs gegen nachhaltige Biolandwirtschaft! Wir sind absolut der Meinung, dass Gentechnik in der Landwirtschaft nichts verloren hat!

Und die Veranstaltung der der FPÖ nahestehenden „ARGE umweltbewusstes Handeln“ mit dem Vortrag von Landwirt Glöckner am Dienstag, 28. Juni am 20 Uhr im Gasthof Andreas Maurer werden wir uns aber auf jeden Fall mit Interesse ansehen.

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