Gentechnik – leider auch schon ein Thema für Wählerfang

Ein so sensibles und problematisches Thema wie Gentechnik ist mittlerweile leider auch auf der Themenliste populistischer Kreise und wird für ideologische Zwecke mißbraucht. Federführend in der Berichterstattung darüber ist beispielsweise der obskure deutsche Kopp Verlag, auf dem sich die wundersamsten Verschwörungstheorien bunt mit teilweise extermen Ideologien vermischen. Eva Herrman, ehemalige Fernsehmoderatorin, die durch ihre Verherrlichung des Frauen- und Familienbildes in der Nazidikatur auffiel, fand hier beispielsweise einen neuen Arbeitsbereich.

Was jetzt? Gegen Gentechnik oder gegen die EU?

Hinter den neuen Gentechnikgegnern namens „Bioniere“ verstecken sich altbekannte Namen. Es ist ein Zusammenschluss von „Rettet Österreich!“, der Gruppe NFÖ (Neutrales, Freies Österreich) sowie der Umweltorganisation „Bruder Baum“. Zu den Erstunterstützern zählen Peter Weish und Anton Moser, beide waren Sprecher bei unterschiedlichsten Anti-EU Demonstrationen. Seit geraumer Zeit lässt sich übrigens das Phänomen beobachten, dass Menschen, die vor wenigen Jahren noch tendenziell auf „Berufsdemonstranten“ geschimpft haben, nun selber gerne auf die Strasse gehen. Bei diesen Demos beteiligten sich zwischen 700 (Anti-Moschee-Demo) und 7000 (Anti-EU-Demo) Menschen und sie gehören somit zu den größten Demos der letzten Jahre. Interessanterweise haben alle diese Gruppen, trotz der Opposition zur Regierung, eine sehr positive Einstellung zu einem mit fester Hand geführten Nationalstaat.

Auch die Aktivitäten des Gentechnikkritikers Gottfried Glöckner und des Journalisten Klaus Faißner sind in diesem Zusammenhang mit Vorsicht zu geniessen. Hat Faißner doch im Jahr 2009 die Demo „Gentechnik Verbot jetzt“ am Wiener Ballhausplatz organisiert, bei welcher die „Bioniere Österreich“ nur scheinbar einzig gegen Gentechnologie ausgesprochen haben. Doch sowohl bei der NFÖ-Wien als auch auf der boniere-Homepage findet sich die Nationalhymne, die Bioniere bringen auch Figls „Österreich ist frei“-Rede. Rettet Österreich erlärt ihren Namen so: „Der Staat Österreich – der seine Bürger schützen soll – läuft Gefahr, jetzt sein Recht auf Selbstbestimmung (Anm.: durch die böse EU) zu verlieren.“ Hier wird die nationalistische Argumentationsweise deutlich: Wichtig ist nicht das Selbstbestimmungsrecht des individuellen Menschen, sondern eines abstrakten starkes Staates.

Vom Saulus zum Paulus, oder doch nicht?

Gottfried Glöckner, der übrigens am 28. Juni in Großweikersdorf beim GH Maurer einen Vortrag über die Gefahren der Gentechnik hält , kann man im Internet im Zusammenhang mit Slogans wie „Ja zum gentechnikfreien Österreich – nein zu EU“ finden. Der ehemalige deutsche Landwirt hatte auf seinen Feldern schon sehr früh den so genannten Bt-Mais, eine gentechnisch veränderte Futtermaissorte des Schweizer Biotechunternehmens Syngenta, angebaut und diesen an seine Kühe verfüttert. Aus zunächst unbekannter Ursache verendeten nach und nach zwölf Kühe auf Glöckners Hof. Der Bauer verdächtigte den Bt-Mais als mögliche Ursache und wandte sich an das Berliner Robert-Koch-Institut, das als zuständige Behörde an der EU-weiten Zulassung des Bt-Maises von Syngenta beteiligt gewesen war. Eine vom Koch-Institut eingeleitete Untersuchung, an der sowohl Experten von staatlichen wie von privaten Forschungseinrichtungen teilnahmen, kam zu dem einhelligen Schluss, dass nicht der Bt-Mais die Ursache der tödlichen Gesundheitsprobleme unter Glöckners Rindern war, sondern unzureichende Futtermittelqualität und grobe Fehldosierung von Futtermittelanteilen sowie Verseuchung des Milchleistungsfutters und der Maissilage mit giftigen Mykotoxinen.

Die niederösterreichische SPÖ-Europaabgeordnete Karin Scheele hält übrigens die Gefahr von Auskreuzungen für durchaus relevant, erblickt aber in der so genannten grünen Gentechnik keine Gesundheitsgefahren für den Menschen: „Wenn etwas Derartiges nachgewiesen werden könnte, wären wir die Ersten, die rechtliche Maßnahmen setzen würden. Wir haben verbissen nach Studien gesucht, die Gesundheitsrisken aufzeigen, aber keine gefunden. Wir haben sogar grüne Berater engagiert. Doch es hieß nur: Hände weg von der Behauptung, Gentechnik sei gesundheitlich bedenklich – da würden wir uns nur lächerlich machen.“ Ein derart sensibles und wichtiges Thema darf nicht für billige Angstmache verwendet werden sondern muß mit entsprechender wissenschaftlicher Professionalität bearbeitet werden!

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